Das Kind in uns -Warum eben nicht immer alles gut ist-

Das Kind in uns -Warum eben nicht immer alles gut ist-

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Wenn wir mit einem Kind spielen oder überhaupt spielen ist immer auch unser inneres Kind aktiv. Wir nehmen es nicht immer bewusst wahr, doch die Art, wie wir spielen kennen wir aus unseren eigenen Kindertagen. Manchmal erinnern wir uns vielleicht sogar an ein Spiel, dass wir selbst damals gerne spielten und spielen es heute mit unseren Kindern. Was für eine schöne warme fließende Erinnerung, nicht wahr?

Doch wie treten wir sonst in Kontakt mit unserem inneren Kind? Wir haben eine Sonnenseite und eine Schattenseite in uns. Beide Seiten wollen angenommen, gesehen werden. Wir waren eben auch nicht immer heiter und fröhlich. Wir waren wütend, willensstark und fordernd.

Mir hat es geholfen die Bilder aus meiner Kindheit zur Hand zu nehmen und wirklich zu fühlen was da in mir erwachte. Es kamen Gedanken wie „schau mal da wurde ich so sehr in den Arm genommen und ich fühlte mich geliebt“ und genauso kamen mir Gefühle wie „Schau da war ich so traurig. Ich fühlte mich alleingelassen.“

Heute als Erwachsene, die selbst bestimmt durchs Leben geht, kann ich mit der Situation in Kontakt treten und schauen: Was war da los warum fühlte ich mich da so alleine? Was fehlte mir? Oft sind es dann kindliche Dinge wie zum Beispiel meine Puppe war gerade nicht auffindbar. Für ein Kind kann die Puppe die Welt bedeuten. Was hängen bleibt ist die Traurigkeit in dem Bild. Doch was dahinter liegt eben nicht, jedenfalls nicht überprüft nach den Möglichkeiten, über die ich heute verfüge.

Das hängt zum einen damit zusammen, dass das kindliche Gehirn noch gar nicht vollständig entwickelt ist. Zum anderen, dass wir noch nicht ausreichend Erfahrungen gesammelt haben und uns daher auch noch nicht fragen ob es wirklich wahr ist, was wir da denken und womit das Gefühl genau einhergeht, geschweige denn was wir tun können damit es uns besser geht. Es entwickelt sich erst im Laufe unseres Lebens. Wir schauen uns unsere Möglichkeiten von unseren Bezugspersonen ab.

Wenn Mama und Papa in einer Situation sind, mit der sie selbst nicht umzugehen wissen, wird in uns auch Unsicherheit wahrgenommenen. Wir wissen nicht was wir tun können und fühlen uns verloren. Gleichzeitig können unsere Eltern uns nur soweit helfen wie sie selbst in der Lage sind mit der Situation umzugehen.

Was also tun? Zunächst verstehen, dass wir als Kinder nicht anders handeln konnten als wir es taten. Das auch unsere Eltern nicht anders handeln konnten.

Heute stehen uns so viele Informationen zur Verfügung. Wir kommen an einen Punkt, an dem wir nicht weiterwissen? Gut. Wir haben Zugang zu Experten. Wir Googlen oder fragen unser Umfeld. Doch was hatten unsere Eltern vor 30 Jahren? -Als wir klein waren. Sie hatten mit Glück noch ihre Eltern, die sie fragen konnten. Doch die Generation der Eltern unserer Eltern hatte noch weniger Zugang zu Informationsquellen. Was blieb war also oft ein „Alles ist gut“ in Momenten, in denen für das Kind, das wir waren, eben gerade nicht alles gut war.

Was folgt daraus? Wir können unsere Gefühle nicht einordnen. Verlieren das Gespür für uns selbst, wachsen auf in dem Gedanken nicht richtig zu sein. Denn wir fühlten ja etwas. Doch die Menschen, von denen wir abhängig waren, denen wir blind vertrauen sagten dazu: „Alles ist gut“..dann muss jawohl alles gut sein und mein Gefühl ist falsch. Das ist das, was wir mitnehmen in unser weiteres Leben. Und das vermutlich schon über Generationen.

Das ist genau der Grund, weshalb ich in Kontakt gegangen bin mit mir selbst, meinem inneren Kind. Für alle vor mir, für alle jetzt, für alle nach mir. Es ist ein Anfang. Bestimmt bin ich nicht die letzte die die innere Arbeit macht, doch ich lege den ersten Stein. Und jeder Weg beginnt doch mit dem ersten Schritt.

Zurück zu unserem Beispiel. Ich sitze also da die Puppe ist weg. Ich bin traurig. Mir wird jedoch gesagt, dass alles gut ist also lächle ich. Soweit die Situation auf dem Bild.

Heute kann ich mich hineinfühlen. Meine Trauer spüren, Verständnis für mich aufbringen und Strategien entwickeln wie ich mir heute das Bedürfnis nach Anerkennung, Aufmerksamkeit und natürlich Spiel und Spaß erfüllen könnte. Ich kann mir vorstellen wie ich nach dem Foto zwar weinend, doch voller Hoffnung meine Eltern an die Hand nehme und mit ihnen meine Puppe suche und finde und wie ich dann wirklich erleichtert und fröhlich bin.

Klingt beim Lesen erstmal abstrakt, oder? Ähnlich fühlte ich mich auch als mir das erste Mal gesagt wurde ich solle mich dann selbst in den Arm nehmen. -Was soll ich? -Ich habe es dann für mich so umgesetzt, dass ich ein Kissen umarme. Was soll ich sagen: Hilft tatsächlich. Genauso ist es mit dem Umschreiben der belastenden Situationen aus meiner Kindheit. Es kommt immer das was gerade dran ist. Also, schaue ich heute in mein Album, kann ich die Bilder mit einem warmen liebenden Blick betrachten. Bei den ersten Malen habe ich so viel geweint, gefühlt und für mich geklärt.

Es geht also nicht darum, krampfhaft jedes Gefühl und jede Situation nach oben zu preschen. Es geht darum anzufangen. Hinzusehen. Zu erkennen, dass da noch etwas ist was von uns angenommen werden möchte. Damit wir uns einfach daran erinnern, dass wir okay sind, wie wir sind.

Weiterführend kann ich dir das Buch von Stafanie Stahl „Das Kind in dir muss Heimat finden“ und die Meditationen von Robert Betz, kostenlos auf seiner Homepage, empfehlen. (# Werbung unbezahlt)

Alles Liebe für dich und denk daran du bist wertvoll., Nadine.

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Dieser Beitrag hat 2 Kommentare

  1. Henry

    Sehr schön, wieder etwas schnell gesprochen… aber „Alles gut“.
    „Alles ist gut“ war die Wortgruppe, die für mich tatsächlich auch eine Verbindung während deines Textes geöffnet hat.

    Vielen Dank.

    1. Nadine

      Danke für dein Feedback 🙂 Ich bemühe mich nächstes Mal langsamer zu sprechen. Es freut mich, dass du etwas für dich mitnehmen konntest. Alles Gute für dich.

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